Sich Sorgen machen – Warum wir es tun und wie wir daraus aussteigen können

 

Kennst du das? Ein Gedanke taucht auf, dreht sich in deinem Kopf und zieht immer größere Kreise. „Was, wenn etwas schiefgeht?“ – „Habe ich an alles gedacht?“ – „Was wird die Zukunft bringen?“ Ehe du dich versiehst, bist du mitten in einem Strudel aus Sorgen, der dich fest im Griff hat.

Sich Sorgen zu machen, scheint fast ein natürlicher Reflex zu sein. Doch warum tun wir das eigentlich? Ein Blick auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Sorge“ gibt Aufschluss: Im Althochdeutschen bedeutete „sorga“ so viel wie „Kummer“ oder „Schmerz“. Gleichzeitig hatte „Sorge“ aber auch eine positive Bedeutung im Sinne von „für etwas Sorge tragen“ – also sich verantwortungsvoll um etwas kümmern. Während „Sorge tragen“ aktives Handeln und Fürsorge bedeutet, bleibt „sich Sorgen machen“ oft in Grübeleien stecken, die uns belasten, ohne dass sie zu einer Lösung führen.

Doch was passiert in unserem Körper, wenn wir uns Sorgen machen? Warum fällt es uns so schwer, aus diesem Gedankenkarussell auszusteigen? Und vor allem: Wie können wir wieder mehr Vertrauen und Gelassenheit entwickeln? Genau darum geht es in diesem Artikel.

Was passiert in unserem Körper, wenn wir uns Sorgen machen?

Sich Sorgen zu machen fühlt sich oft so an, als ob man ständig in Alarmbereitschaft ist – und das ist biologisch betrachtet gar nicht so falsch. Unser Körper reagiert auf Sorgen nämlich ähnlich wie auf eine tatsächliche Bedrohung. Doch warum ist das so?

 + Die Stressreaktion wird aktiviert

Wenn wir uns Sorgen machen, interpretiert unser Gehirn die Situation als potenzielle Gefahr – selbst wenn es sich nur um einen Gedanken handelt. Besonders beteiligt ist dabei die Amygdala, das sogenannte „Angstzentrum“ im Gehirn. Sie schlägt Alarm und aktiviert das Stresssystem. Dadurch werden Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet, die unseren Körper in Alarmbereitschaft versetzen.

Typische körperliche Reaktionen sind:
Ein erhöhter Herzschlag und schnellerer Puls – der Körper bereitet sich auf Kampf oder Flucht vor.
Muskelanspannung – insbesondere im Nacken, in den Schultern und im Kieferbereich.
Schnellere, flachere Atmung – um den Körper mit mehr Sauerstoff zu versorgen.
Erhöhte Wachsamkeit – wir fühlen uns unruhig, nervös oder rastlos.

Diese Reaktionen sind sinnvoll, wenn tatsächlich eine akute Gefahr besteht – beispielsweise, wenn ein Auto auf uns zurast. Doch bei Sorgen geht es meist um hypothetische oder zukünftige Probleme. Der Körper bleibt in einem „Dauerstressmodus“, obwohl es keine direkte Bedrohung gibt.

+ Langfristige Auswirkungen von Sorgen

Wenn wir uns über längere Zeit hinweg viele Sorgen machen, kann das erhebliche Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben:

🧠 Mentale Erschöpfung: Dauerhaftes Grübeln kostet enorm viel Energie und kann zu Konzentrationsproblemen oder Reizbarkeit führen.
😴 Schlafprobleme: Viele Menschen wälzen Sorgen besonders nachts – das führt dazu, dass wir schlechter ein- oder durchschlafen.
🦠 Geschwächtes Immunsystem: Chronischer Stress kann die Abwehrkräfte schwächen, sodass wir anfälliger für Krankheiten sind.
💖 Herz-Kreislauf-Probleme: Ein dauerhaft erhöhter Stresspegel kann den Blutdruck steigern und das Risiko für Herzkrankheiten erhöhen.

Warum ist es so schwer, mit dem „sich Sorgen“ aufzuhören?

Unser Gehirn ist darauf programmiert, nach Problemen zu suchen und Lösungen zu finden – das hat uns evolutionär das Überleben gesichert. Doch heute führt dieses Muster oft dazu, dass wir uns über Dinge sorgen, die wir gar nicht beeinflussen können.

Es gibt noch weitere Gründe, warum es so schwer ist, mit dem Sorgen aufzuhören:

+Die Illusion von Kontrolle

Sich Sorgen zu machen, vermittelt uns das Gefühl, aktiv etwas zu tun – auch wenn es nur gedanklich ist. Unser Gehirn glaubt, dass Grübeln uns auf eine mögliche Gefahr vorbereitet oder uns vor negativen Überraschungen schützt. Tatsächlich führt es aber meist nur dazu, dass wir uns hilfloser fühlen, weil wir oft über Dinge nachdenken, die außerhalb unserer Kontrolle liegen.

+Sorgen als Schutzmechanismus

Viele Menschen haben unbewusst die Überzeugung, dass Sorgen helfen, Probleme zu verhindern oder sich auf das Schlimmste vorzubereiten. Gedanken wie „Wenn ich es mir nur lange genug überlege, dann finde ich eine Lösung“ oder „Wenn ich mir Sorgen mache, kann ich mich besser wappnen“ sorgen dafür, dass wir am Grübeln festhalten. Doch in den meisten Fällen drehen wir uns im Kreis, ohne zu einer Lösung zu kommen.

+Gewohnheit und neuronale Muster

Sich Sorgen zu machen ist oft eine tief eingeschliffene Gewohnheit. Unser Gehirn bildet mit der Zeit feste Denkmuster: Je öfter wir grübeln, desto leichter fällt es uns, wieder in diesen Modus zu verfallen. Es entsteht eine Art „Sorgenschleife“, die immer wieder aktiviert wird, weil das Gehirn diese Denkweise als vertraut empfindet.

+Soziale Prägung und Kindheitserfahrungen

Viele von uns haben schon früh gelernt, dass Sorgen ein Zeichen von Verantwortungsbewusstsein sind und etwas Positives ist. Vielleicht gab es in der Herkunftsfamilie die unbewusste Regel: „Wer sich sorgt, ist ein guter Mensch“ oder „Sich keine Sorgen zu machen, bedeutet, leichtsinnig zu sein“. Solche Überzeugungen können tief verankert sein und dazu führen, dass wir Sorgen nicht einfach loslassen können.

+Sorgen als emotionale Ablenkung

Manchmal nutzen wir Sorgen unbewusst, um uns von anderen Gefühlen abzulenken. Anstatt uns mit tieferliegenden Ängsten oder Unsicherheiten auseinanderzusetzen, beschäftigen wir uns gedanklich mit möglichen Problemen in der Zukunft. Sorgen werden dann zu einer Art Schutzmechanismus, der uns davon abhält, uns mit unseren wahren Emotionen auseinanderzusetzen.

Exitstrategien: hier geht es raus

Eine hilfreiche Frage für mich, wenn ich etwas loslassen und nicht mehr haben will, ist die Frage „Was will ich stattdessen?“ – Was ist denn das Gegenteil von „Sich Sorgen machen“?

👉 Gegenteil von Sorgen machen: Gegenwärtigkeit – sich bewusst auf den aktuellen Moment einlassen, anstatt in Zukunftsängsten zu versinken.

+ Achtsamkeit – Im Hier und Jetzt ankommen

Sorgen drehen sich fast immer um die Zukunft: Was könnte passieren? Was, wenn ich versage? Achtsamkeit hilft, den Fokus auf den gegenwärtigen Moment zu lenken.

🧘‍♀️ Kleine Übung:

  • Schließe für einen Moment die Augen und konzentriere dich nur auf deinen Atem.
  • Spüre, wie die Luft ein- und ausströmt, ohne sie zu beeinflussen.
  • Falls Sorgen auftauchen, stelle sie dir wie Wolken vor, die vorbeiziehen – du musst sie nicht festhalten.

👉 Gegenteil von Sorgen machen: Handlungsorientierung – statt passiv zu grübeln, aktiv überlegen, was wirklich getan werden kann.

+ Den Sorgen Gedanken entziehen – Raus aus dem Grübelmodus

Viele Sorgen drehen sich im Kreis, ohne dass sie zu einer Lösung führen. Ein guter Weg, sie zu unterbrechen, ist das Aufschreiben.

✍️ Übung:

  • Nimm ein Blatt Papier und notiere deine Sorgen.
  • Frage dich dann: Ist das eine Sorge, die ich beeinflussen kann?
    • Ja? Dann überlege eine konkrete Handlung, die du setzen kannst.
    • Nein? Dann erkenne an, dass Grübeln nichts verändert und versuche loszulassen.

👉 Gegenteil von Sorgen machen: Gelassenheit – die Fähigkeit, Dinge anzunehmen, die man nicht ändern kann

+Die Kontrolle loslassen – Akzeptanz üben

Viele Sorgen entstehen aus dem Wunsch, alles unter Kontrolle zu haben. Doch das Leben ist unberechenbar, und nicht alles liegt in unserer Hand.

🌊 Akzeptanz-Technik:

  • Stelle dir vor, du stehst in einem Fluss. Je mehr du gegen die Strömung ankämpfst, desto mehr Energie kostet es dich.
  • Lässt du dich aber ein Stück treiben, merkst du, dass du nicht untergehst – du kannst mit der Strömung schwimmen.
  • Das bedeutet nicht, alles passiv hinzunehmen, sondern nur anzuerkennen, dass du nicht jede Unsicherheit beseitigen kannst.

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👉 Gegenteil von Sorgen machen: Leichtigkeit – Bewegung bringt uns raus aus dem Kopf und ins Körpergefühl.

+Den Körper aktiv einbeziehen – Bewegung als „Sorgenschalter“

Sorgen sind nicht nur mental, sondern auch körperlich spürbar – oft als Anspannung oder Nervosität. Bewegung hilft, Stresshormone abzubauen und den Kopf freizubekommen.

🚶‍♂️ Praktische Tipps:

  • Ein Spaziergang in der Natur beruhigt das Nervensystem.
  • Sport wie Yoga, Laufen oder Tanzen löst Anspannungen.
  • Progressive Muskelentspannung hilft, Sorgen körperlich loszulassen.

👉 Gegenteil von Sorgen machen: Humor & Perspektivwechsel – sich selbst nicht zu ernst nehmen, um Sorgen zu entkräften.

+Das Gedankenkarussell mit Humor stoppen

Humor ist eine unterschätzte Waffe gegen Sorgen. Er schafft Distanz zu den eigenen Gedanken und zeigt, dass nicht alles todernst ist.

😂 Übung:

  • Übertreibe deine Sorge ins Absurde. Beispiel: „Was, wenn ich morgen verschlafe? Dann komme ich zu spät, werde gefeuert, lande auf der Straße und werde von einer Ente adoptiert.“
  • Oft erkennen wir dabei, dass unsere Sorgen gar nicht so realistisch sind.

👉 Gegenteil von Sorgen machen: Zuversicht & Vertrauen – daran glauben, dass das Leben Lösungen bringt.

+ Vertrauen stärken – Die innere Sicherheit aufbauen

Das eigentliche Gegenteil von Sorgen ist Vertrauen – in sich selbst, in andere Menschen oder in das Leben an sich.

💡 Vertrauens-Übung:

  • Mache dir bewusst, wie oft in deinem Leben schon Dinge gut ausgegangen sind.
  • Erinnere dich an Momente, in denen du dachtest, „es wird schlimm“, und es dann doch gut wurde.
  • Übe den Gedanken: „Ich werde mit allem umgehen können, was kommt.“

 

Grundsätzlich hilft bei negativen Gedanken aller Art:

*die Frage: Ist dieser Gedanke hilfreich?

*Bewusst 3 Dinge finden, für die man dankbar ist (Spoiler: man kann nicht gleichzeitig dankbar sein und sich Sorgen machen)


Fazit: Vom Sorgenkarussell zur inneren Ruhe

Sorgen sind menschlich, aber sie müssen uns nicht beherrschen. Es gibt Strategien, um den Grübel-Kreislauf zu durchbrechen. Oft gelingt das mit professioneller Unterstützung schneller und gezielter. Wenn du dir Begleitung auf diesem Weg wünschst, melde dich gerne bei mir.